Samstag, 22.09.2018 22:45 Uhr

Deutsche Fussballnationalmannschaft

Verantwortlicher Autor: Ingo Ronneburg Berlin, 04.07.2018, 11:12 Uhr
Kommentar: +++ Sport-Nachrichten +++ Bericht 4349x gelesen

Berlin [ENA] Das Ausscheiden der deutschen Fußballnationalmannschaft wirft eine Menge Fragen auf. Dabei geht es nicht alleine um die Suche nach einem oder mehreren Schuldigen, es muss eine knallharte Analyse des Scheiterns erfolgen. Treueschwüre und Loyalitäten sind schön, aber in diesem Fall sinnfrei. Der deutsche Fußball Bund (DFB) ist gut beraten, sich selbst ein White Paper zu erstellen und eine neue Vision zu schaffen.

Nach 14 Jahren attraktivem und begeisterndem Fußball ist die deutsche Fußballelf wieder in die "Rumpelfußballmentalität" der Jahre davor zurückgefallen. Nach dem desaströsen Auftritt bei der EM 2000 wurde ein radikaler Schnitt gemacht, dessen Ergebnis sich im Titelgewinn der WM 2014 auszahlte. Schaffte man noch die Qualifikation zur WM 2018 in Russland mit einem beeindruckendem Siegeszug, zeichnete sich dennoch bei der EM 2016 die ersten Schwächen in der WM-Elf von 2014 ab. Darüber hinaus versuchte man seitens des DFB den Titelgewinn in Rio nochmal zu vergolden. Ein Markenname für die Nationalmannschaft wurde entwickelt und jeder zweite Fußballfan in Deutschland fragt sich - warum eigentlich?

Fortan war unsere Nationalmannschaft also "Die Mannschaft". Selbst bei dieser Namensfindung versäumte man, Identifikationen zu schaffen. Jede andere Nation hat besser klingende Namen, ob es die Red Devils (Belgien), Equipe Tricolore (Frankreich) oder Three Lions (England) sind, alles klingt besser als "Die Mannschaft". Erstaunlicherweise spielen gerade in diesem Jahr die drei anderen genannten Teams um den Titel mit. Das Ausscheiden der Deutschen bei dieser WM jetzt an den Namen festzumachen, ist natürlich Quatsch. Aber sinnbildlich darf der Kontext ruhig gelten. So langweilig oder interessant wie der Name der Teams, sind auch deren Spiele anzusehen.

Darüber hinaus sind die Namen der anderen seit Anbeginn vorhanden, während die Benennung in "Die Mannschaft" nach dem Titelgewinn in Rio eine Marketingmaßnahme war, hauptsächlich um Merchandising zu generieren. Im sportlichen Bereich jedoch wurde in der Euphorie über den Titelgewinn schon im Jahr 2014 versäumt, eine Zäsur zu machen. Zu sehr war man verblendet vom Titel und außerdem hatte man ja in den 12 Jahren davor immer hervorragende Platzierungen in den internationalen Wettbewerben erzielen können. Ein Warnschuss gab es beim Confederations-Cup im vergangenen Jahr. Der Bundestrainer nominierte vorrangig den "2. Anzug", also Perspektivspieler für eine mögliche Umgestaltung der Mannschaft.

Das Ergebnis, der Titelgewinn des Confederations-Cup, löste beim Bundestrainer leider nicht die Erkenntnis aus, dass für die WM 2018 in Russland ein völlig neues Gerüst her musste. Schon bei der Kadernominierung war zu erkennen, dass die Erkenntnisse aus dem letzten Jahr weitestgehend ignoriert wurden. Es wurde an Spielern festgehalten, die in der laufenden Saison teilweise sehr schlechte oder wegen Verletzungen überhaupt keine Leistungen erbracht haben. Und genau diese Spieler haben ihren Anteil am kollektiven Versagen bei dieser WM. Ich mache es nur am Beispiel auf der Torhüterposition fest.

Manuel Neuer, in Form und mit Spielpraxis nach wie vor sicher einer der besten 3 Torhüter der Welt, hatte keinerlei Spielpraxis vor der WM, zumindest keine Wettkampfpraxis. Marc-Andrè ter Stegen spielte die ganze Saison beim FC Barcelona und die Stürmer die dort auf ihn zulaufen, sind keine Rumpelfußballer. Die Entscheidung Neuer überhaupt zu nominieren und dann auch noch zur Nummer 1 zu erklären, zeigt das Dilemma in seiner ganzen Unverständnis. Diese Beispiele könnte man an 90% der Mannschaft fortführen. Es geht nicht darum, das Versagen bei dieser WM der sportlichen Leitung in die Schuhe zu schieben. Trainerteam, Betreuer, Mannschaft und DFB tragen die Kollektivschuld und müssen gemeinsam eine Veränderung herbeiführen.

Natürlich macht ein Neuaufbau mit jungen, hungrigen aber dennoch erstklassigen Spielern, nur dann einen Sinn, wenn sich wieder auf das Wesentliche fokussiert wird, namentlich das Fußballspiel als Solches. Dazu wird es zu Veränderungen in allen Bereichen kommen müssen, natürlich gehört auch der Trainer dazu. Die sportliche Leitung muss jemand übernehmen, der prinzipiell nach Leistung aufstellt, unabhängig von Alter, Zugehörigkeit zum Kreise der Mannschaft, Vertrag beim FC Bayern München oder Loyalität zum Trainer. Der DFB muss Sorge tragen, dass nicht die Vermarktung der Mannschaft, sondern der sportliche Erfolg wieder im Vordergrund steht. Dann bin ich mir sicher, das bei den nächsten anstehenden Aufgaben der Erfolg zurückkehren wird.

Für den Artikel ist der Verfasser verantwortlich, dem auch das Urheberrecht obliegt. Redaktionelle Inhalte von European-News-Agency können auf anderen Webseiten zitiert werden, wenn das Zitat maximal 5% des Gesamt-Textes ausmacht, als solches gekennzeichnet ist und die Quelle benannt (verlinkt) wird.
Zurück zur Übersicht
Photos und Events Photos und Events Photos und Events
Info.