Mittwoch, 26.09.2018 04:43 Uhr

Das Kreuz mit dem Kreuz. Mahnung aus der Poetengruft.

Verantwortlicher Autor: Hermann K. Stützer Teisendorf/Salzburg, 16.05.2018, 10:54 Uhr
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Das Kruzufix und der Angstschweiß der CSU
Das Kruzufix und der Angstschweiß der CSU  Bild: Hermann K. Stützer

Teisendorf/Salzburg [ENA] Wenn es nicht so durchsichtig, so unbeholfen und so erbärmlich wäre, man müsste die "Strategie" des Markus Söder, eines Juristen in Gestalt des Bairischen Ministerpräsidenten und seiner ach so christlich-sozialen Union einfach auslachen. Der Respekt vor dem Symbol verbietet es aber dann doch.

Sie legten sich mit Eltern an, als es um die Hängung von Kruzifixen in den Bairischen Schulzimmern ging, mit engagierten Lehrern und Verbänden, dem politischen Gegner sowieso und jetzt auch - hast du sie noch alle? - mit der Kirche selbst. Man muss ja kein Kirchgänger sein, nicht einmal ein konfessionell erzogener oder gar gläubiger Christ, dem nicht auffiele, was da vor sich geht. Wir sehen, wir riechen, den Angstschweiß der CSU auf offener Bühne. Angst vor der kommenden Landtagswahl und der drohenden AfD-Etablierung, Angst vor dem Verlust der absoluten Mehrheit und Angst vor dem gänzlich undemokratischen Besitzanspruch von politischer Macht. Und man ist geneigt, Selbiges förmlich herbeizuwünschen. Die CSU vor dem Offenbarungseid?

Dass dem Sesseldrängler Markus Söder nichts Anderes einfällt als dem Sesselkleber Horst Seehofer und einer Reihe anderer sesselfurzender Führungsdilletanten dieser überhöhten Partei, nichts Besseres, als das christliche Ursymbol des Gekreuzigten in Anspruch zu nehmen, ist beschämend. Nicht nur für einen Bayern! Ein kühler Ruf aus der Gruft des letzten Romantikers, noch dazu aus dem höchsten Norden der Republik, mag einen nachdenkenswerten Fingerzeig geben. Alle jenen, die da meinen, Unzulänglichkeit und eigenes Versagen mit einem Kreuz kaschieren, dieses für ihre phantasielosen und substanzleeren Selbstbeweihräucherungen in Anspruch nehmen zu dürfen, sei Theodor Storm entgegengehalten: ...

Cruzifixus // Am Kreuz hing sein gequält Gebeine // Mit Blut besudelt und geschmäht // Dann hat die stets jungfräulich reine // Natur das Schreckensbild verweht // Doch die sich seine Jünger nannten // Die formten es in Erz und Stein // Und stellten's in des Tempels Düster // Und in die lichte Flur hinein // So, jedem reinen Aug ein Schauder // Ragt es herein in unsre Zeit // Verewigend den alten Frevel // Ein Bild der Unversöhnlichkeit.

So ist das mit Religionssymbolen. Sie sprechen zu einem Gläubigen Menschen. Sie hatten, was das christliche Folterwerk betraf, schon immer ein Problem, das man sich zwar kirchengeschichtlich ansehen kann, was aber kaum jemandem bewußt ist. Schon gar keinem Wähler, für den es nicht gemacht ist. Theodor Storm nennt es "Ein Bild der Unversöhnlichkeit". Genau darüber in diesen Zeiten des Werteuntergangs einmal in Stille nachzudenken, lohnte sich wirklich. Auch für die Kirchen. Ein Markus Söder scheint davon wenig, sich selbst aber für omnipotent in der Wahl seiner taktischen Spielzeuge zu halten, die er für zweckdienliche Werkzeuge hält. So wird das aber nichts mehr, CSU!

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