Mittwoch, 21.08.2019 11:57 Uhr

Kirchenhistoriker Wolf sieht Zölibat als Risikofaktor

Verantwortlicher Autor: Jochen Raffelberg Frankfurt, 15.07.2019, 19:32 Uhr
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Frankfurt [ENA] Der Zölibat ist nach Ansicht des katholische Kirchenhistorikers Hubert Wolf zwar nicht Ursache, aber ein “entscheider Risikofaktor” für den Missbrauch Minderjähriger durch Priester. In einem Zeitungsbeitrag sprach er sich am Montag gegen das kirchliche Gesetz über die Ehelosigkeit von Geistlichen aus. Da Ehe und Weihe nicht gegeneinander stünden, sei seine Aufhebung auch kein Traditionsbruch, argumentierte Wolf.

Wolf schrieb in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, dass es keine einzige durchgehende Begründung für den Zölibat gebe, die zweitausend Jahre überdauert habe und nannte zwei “entscheidende Argumente” gegen das Zölibatsgesetz. Der Papst und die Bischöfe hätten die “unabweisbare Pflicht”, die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Gläubigen ihre Sonntagspflicht erfüllen und so oft wie möglich die Eucharistie feiern könnten. Der Pflichtzölibat sei dagegen in vielen Teilen der Kirche eines der “ausschlaggebenden Hindernisse” für die Entscheidung zum Priesteramt. Zweitens zeigten die neuen Missbrauchsstudien übereinstimmend, dass “der Zölibat zwar nicht die Ursache für Missbrauch, aber doch ein entscheidender Risikofaktor ist.”

Allein der Respekt vor den Opfern verlange, alles zu tun, um das Risiko für den Missbrauch von Minderjährigen durch Priester zu minimieren, schrieb der Geistliche, der an der Universität Münster Mittlere und Neuere Kirchengeschichte lehrt und zahlreiche Auszeichnungen empfangen hat. Professor Wolf erhielt als dritter Theologe den im deutschen Sprachraum mit 1.55 Mio Euro höchstdotierten Forschungspreis, den Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Laut DFG hat sich Wolf "als führender katholischer Kirchenhistoriker etabliert". Sein FAZ-Beitrag wurde wenige Tage vor Erscheinen seines Buchs “Zölibat. 16 Thesen” (Verlag C. H. Beck) veröffentlicht.

Der Priester hatte bereits im Februar im Deutschlandfunk gesagt, der Missbrauchsskandal sei Teil einer Systemkrise der Kirche, die grösser sei als in Zeiten der Reformation. Dabei gehe es nicht nur um den Zölibat, erklärte Wolf im DLF, es gehe auch um Fragen wie den Zugang zum Priesteramt, die Auswahl der Bischöfe und die Beteiligung der Gemeinden. Auch brauche die Kirche eine Verwaltungsgerichtsbarkeit. Schon damals hatte er gesagt, der Zölibat sei Teil eines Systems, und der Zölibat sei ein Risikofaktor für den Missbrauch.

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