Dienstag, 13.11.2018 20:48 Uhr

Sicher mobil kommunizieren

Verantwortlicher Autor: Heiko Schulz Wiesbaden, 05.07.2018, 13:28 Uhr
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Messaging-App
Messaging-App  Bild: Threema GmbH

Wiesbaden [ENA] Mobiles Messaging ist "in" und hat die klassiche SMS abgelöst. Der Platzhirsch WhatsApp steht wegen Sicherheitsbedenken oft in der Kritik. Doch es gibt Alternativen, die zum Teil auch in puncto Datenschutz Maßstäbe setzen. Wir haben ein paar Apps getestet.

Es ist schon praktisch. Mal eben am Smartphone ein Foto aufnehmen und ganz einfach an Freunde schicken. Ein Text dazu, ohne auf ein Zeichenlimit achten zu müssen. Oder Absprachen in einer Gruppe. Jeder kann mitlesen und ist informiert. WhatsApp hat die Kommunikation verändert und gegenüber der klassischen SMS deutliche Vorteile. Doch spätestens seitdem WhatsApp durch Facebook gekauft wurde, machen sich Sorgen über Einhaltung der Datenschutzstandards breit.

Während man die App nutzt, werden Daten erfasst und an den Konzern weitergeleitet. Sei es der Standort oder wann man mit wem kommuniziert. Die Inhalte der Chats sind zwar verschlüsselt, die sogenannten Metadaten sind für den Anbieter aber wertvolle Rohstoffe. Jeder WhatsApp-Nutzer kennt es: Nach der Installation gleicht die App das lokale Telefonbuch ab und zeigt sofort, welcher seiner Kontakte ebenfalls diese App nutzt. Diesen Abgleich hielt das Amtsgericht Bad Hersfeld in einem Urteil vom März 2017 schon für bedenklich (AZ F 111/17 EASO). Seit Inkrafttreten der Datenschutz-Grundverordnung DSGVO ein zusätzliches Risikopotential.

Alternative: Telegram

Wenn man den Angaben der Webseite glauben schenken kann, steckt hinter der in Dubai ansässigen App Telegram ein Mensch, der die Vision einer geschützten Privatsphäre teilt und mit einer großzügigen Spende den Dienst für die nächsten Jahre finanziert. Nach Unternehmensangaben waren die Anforderungen an den Datenschutz schon seit der Gründung hoch, man haben wegen der DSGVO nicht viel ändern müssen. Die Identifikation anderer Telegram-Nutzer läuft hier aber auch über die hinterlegte Telefonnummer. Wie der Abgleich genau funktioniert konnten wir allerdings nicht in Erfahrung bringen.

Optional kann sich der Nutzer einen Usernamen anlegen. Über diesen ist eine Kontaktaufnahme auch dann möglich, wenn man die Rufnummer nicht kennt. Allerdings wird jeder Username im Telegram-eigenen, globalen Adressbuch gespeichert und kann über eine Suchfunktion gefunden werden. Bei unerwünschten Kontakten bleibt nur die Möglichkeit, diesen zu sperren oder den eigenen Namen zu ändern.

Alternative: Chiffry

Aus der Gemeinde Teutschenthal bei Halle in Sachsen-Anhalt kommt die deutsche Antwort auf WhatsApp. "Chiffry" bietet eine einfache und sichere Kommunikation und wirbt auf der Webseite mit dem TeleTrust-Qualitätssiegel "ScurITy made in Germany". Zu üblichen Bürozeiten wird hier sogar eine Service-Hotline angeboten, die per Telefon, Fax oder natürlich per Mail erreichbar ist.

Auch bei Chiffry läuft die Identifikation anderer Nutzer über die in den Kontakten gespeicherte Telefonnummer. Diese wird, wie ein Chiffry-Sprecher gegenüber unserer Redaktion bestätigte, in der App in eine pseudonymisierte Prüfsumme umgerechnet und an den Chiffry-Server übertragen. Chiffry sei somit nicht vom Urteil des Amtsgerichts betroffen. Nach Unternehmensangabe ist Chiffry die einzige App, die "den hochsicheren Schlüsselaustausch auf Basis moderner Elliptischen-Kurven-Kryptografie mit 512 Bit ECDH" verwendet.

Im Praxistest der Redaktion haben sich allerdings Probleme ergeben. In einigen Fällen wurden Nachrichten nicht oder verzögert zugestellt, in anderen dafür doppelt. In Gruppenchats kamen einige Nachrichten nicht bei allen Gruppenmitgliedern an oder der Gruppen-Admin wurde vom System aus der Gruppe ausgeschlossen und kann sich dort nicht wieder anmelden. Wenn diese Fehler behoben werden, ist Chiffry durchaus eine Empfehlung.

Testsieger: Threema

Als deutlicher Sieger geht der Schweizer Anbieter Threema aus unserem nicht repräsentativen Test hervor. Diese App ist zwar die einzige, die nur gegen eine kleine einmalige Gebühr installiert werden kann, der Anspruch an Datenschutz und Sicherheit macht sich aber schon direkt nach dem Start der Anwendung bemerkbar: Man erhält eine individuelle, vom System generierte Benutzerkennung, über die man erreichbar ist.

Nur wenn man optional eine Telefon- oder Mailadresse angibt, kann man auch darüber von anderen Nutzern gefunden werden. Der Nutzer selbst kann also entscheiden, welche Daten im System verfügbar sind. Die App selbst kann mit einem PIN-Code geschützt werden. Das Lesen von Nachrichten ist für fremde Augen damit nicht möglich. Threema hält sich an die strengen schweizer Datenschutzgesetze und ist nach eigener Aussage DSGVO-konform.

Threema läuft schnell, stabil und zuverlässig und erfüllt alle Anforderungen an eine moderne und sichere Kommunikationslösung. In Sachen Sicherheit und Datenschutz ist sie anderen Messaging-Apps weit voraus. Die einmaligen Lizenzkosten sind sicher abschreckend, mit 3,49 € (Apple, für Android etwas günstiger) aber eine lohnenswerte Investition in den Schutz der Privatsphäre.

Natürlich gibt es noch eine Reihe anderer Apps, die hier nicht erwähnt werden konnten und die Anforderungen sicher auf erfüllen. Mit Telegram und Threema haben wir uns die bekanntesten WhatsApp-Alternativen herausgesucht, Chiffry durfte als nationaler Anbieter nicht fehlen. Alle Apps finden Sie im AppStore Ihres Anbieters.

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